Das Glätten. – Der 2. Akt ist das Glätten der vorgeschliffenen Gläser. Dies geschieht mittels Schmirgelns auf größeren, graduierten und rasch rotierenden Schleifschalen, auf welche die Gläser gelegt werden. Damit sie haften bleiben, werden sie vorher auf Pech gebettet – übrigens geschieht dies auch bei manchen vorzuschleifenden Gläsern – und nun werden diese Pechklötze in Gruppen von 35 - 75 Stück auf die untere, vorher angewärmte Schale (Kittschale) in genau konzentrischen Kreisen gelegt; die zu glättende Fläche ist natürlich nach oben, der anderen Schleifschale zugekehrt, die dieselbe Krümmung zeigt wie die untere, nur im entgegengesetzten Sinne (z.B. konvex-konkav). Infolge des vom Erwärmten weich gewordenen Peches verteilt sich nun der Druck auf alle Gläser gleichmäßig.

  Die Prozedur des Glättens dauerte drei volle Stunden für die eine Seite allein, bis das Glas eine gleichmäßig feine Körnung angenommen hat. Das Glas ist jetzt „polierreif“ und sieht vom Schmirgel her grau aus.

  Die einzelnen Spindeln (bis zu 14 werden von einem Arbeiter bedient) haben Schleifschalen, deren Querdurchmesser 35 cm beträgt und die naturgemäß größer sind als die Schalen zum Vorschleifen; diese Schleifschalen bestehen ebenfalls aus Eisen – für kleinere Gläser werden zuweilen, jedoch selten auch solche aus Messing genommen.

  Das Polieren (3. Akt). – In derselben Weise und auf den nämlichen Schleifschalen, die jedoch mit einem oft erneuerten Filztuch belegt sind, wird das eben geglättete Glas wiederum drei Stunden lang mittels Pariser Rot (eigentlich ist dies Bayr. Polierrot aus Wunsiedel, ein Eisenoxyd) bearbeitet, poliert; hierbei kann sich, um die Entstehung von Streifen besser zu verhüten, auch die untere Schale ebenfalls bewegen, da so die Bewegung eine umfassendere ist.

  Die eine Fläche des Glases ist nun fertig und hat die sogenannte Hochglanzpolitur angenommen.

  Nachdem das Glas durch Kühlung in Wasser vom Pechklotz befreit wurde – das Glas springt dabei einfach vom Pech ab, - wird es nun umgekittet, d. h. die bereits polierte Fläche kommt ebenfalls auf einen Pechklotz, worauf die Prozedur des Glättens und Polierens sich in derselben Weise durch sechs Stunden hindurch wiederholt. Das hernach gesäuberte Glas ist damit im Rohen fertig.

  Die Schleifschalen müssen auch beim Glätten und Polieren oft nachgeprüft und die bearbeiteten Gläsern auf Fehler ebenfalls kontrolliert werden. Die rohen Gläser werden, ehe sie zur Verpackung oder weiteren Verwendung kommen, auf Arbeitsfehler geprüft und eventuell, wenn es geht, einer nochmaligen Bearbeitung unterzogen.

  Absolut tadelfreie Gläser kommen als Gläser I. Qualität zum Verkauf, die übrigen, sofern sie Fehler haben, als Gläser II. Qualität; diese Gläser zeigen kleine Ritzen, Bläschen, etc., die jedoch stellenweise so klein sind, daß mein ungeübtes Auge sie zum Teil überhaupt nicht entdecken konnte; andere haben allerdings ganz grobe Fehler. Gläser II. Qualität werden nicht zentriert.

  Cylindergläser werden auf denselben sphärischen Schalen derart vorgeschliffen, dass durch geschicktes Bewegen in einer Richtung alleine eine ungefähr richtige Krümmung entsteht; die genaue wird erst später erteilt.

  Prismen werden durch ungleichen Druck auf einer rotierenden, planen Schale gewissermaßen schief vorgeschliffen und erhalten ebenfalls erst später den genauen Winkel.

  Plangläser werden genau so geglättet und poliert. Es ist jedoch außerordentlich schwer, einem Glase zwei absolut parallele Planflächen zu erteilen.

  Matte Scheiben. – Ein mattes Glas durchläuft die gleichen Prozeduren wie jedes andere Glas; dann erst wird die eine Seite des fertigen Glases wieder geschmirgelt (geglättet). Diese matte Seite soll in der Fassung innen zu liegen kommen. Man hat oft die Gelegenheit, matte Scheiben zu sehen, die nicht recht undurchsichtig sind, weil sie ungenügend geschmirgelt worden sind; dieselben erfüllen daher nicht den Zweck.

  Die Schleifschalen. – Sphärische Gläser werden von entsprechend geformten, in einander passenden sphärischen Schalen geglättet und poliert, cylindrische von cylindrisch geformten. Bei den letzteren bewegt sich die obere Schale nach 4 Richtungen, in der Hauptsache jedoch nur in der Richtung des Cylinders d. h. der Axe; natürlich wir die Axe erst später notiert. Bei der Herstellung von kombinierten Gläsern wird immer zuerst die cylindrische, dann die sphärische Seite geschliffen.

  Betreffs der Schleifschalen ist zu betonen, daß es zwei grundverschiedene Serien gibt; die einen sind nach Dioptrien, die anderen nach Rheinl. Zoll gekrümmt. Zur Zeit werden die Gläser, falls nicht ausdrücklich anders bestellt, nach Dioptrien geschliffen. Da der Zoll fast in jedem Lande der Welt wieder eine andere Länge besitzt, so können bei den leider üblichen Umrechnungen oder bei ungenauen Bestellungen merkliche Irrtümer entstehen.

  Im übrigen geben die Schleifschalen nur für eine bestimmte Sorte von Glas die beabsichtigte Wirkung; Glasarten von höherem Brechungsindex würden demnach eine schärfere Krümmung durch diese Schalen empfangen, so z. B. Isometropglas, Bariumsilikatglas oder Bergkristall, die daher eigene Schalen beanspruchen.


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