§434
Und des Feuers.
  Die der Wirkung des Feuers überlassenen Körper geben uns oft eben diese Erscheinungen. Dieses flüssige Wesen verändert die Einrichtung der unmerklichen Theilchen, woraus z.B. die Schaalthiere, als die Krebse, die Krabben, und einige andere von dieser Gattung bestehen, dergestalt, dasz, wenn diese Schaalthiere einige Zeit der Wirkung des Feuers überlassen werden, sie eine sehr schöne rothe Farbe erhalten.
  Die tolbotische Dinte ist gleichfalls ein Beweis dieser Wahrheit. Wenn man mit Colbot-Tinktur auf weiszes Papier schreibt, so wird, sobald die Ausdünstung des Vesiculum (19), welches das Colbot in der Auflösung erhält, wegenommen hat, auf dem Papiere von dem Wesen, welches sich darauf befindet, ganz und gar kein Eindruck mehr zu sehen seyn. Wenn man aber dieses Papier warm machet, so werden die mit den Colbot gemachten Züge eine grüne Farbe annehmen, welche sie sehr deutlich unterscheiden wird, und welche verschwinden werden, so wie das Papier wieder kalt wird, aber sogleich wieder erscheinen, sobald man es von neuen warm gemacht hat.
  Eine rothe in den Rauch von Schwefelblumen gelegte Rose verlieret ihre Farbe, und wird weisz.
  Alle diese Versuche beweisen uns auf eine sehr deutliche Art, dasz die Farben, unter welchen wir die verschiedenen gefärbten Gegenstände sehen, sich blosz auf die verschiedenen gefärbten Gegenstände sehen, sich blosz auf die besondere Stellung ihrer Theilchen gründen, die sie geschickt macht, die verschiedenen gefärbten Strahlen zurückzuwerfen, oder durchzulassen. Da aus der Vereinigung aller Strahlen eine weisze Farbe entstehet, so sehen die Körper, welche ohne Unterschied alle Strahlen zurückwerfen, in unsern Augen weisz aus, und diejenigen, die sie verschlingen, müssen aus der gegenseitigen Ursache schwarz aussehen. Dieses wird durch die Vermischung einer Infusion von Gallapfel mit einer Infusion von Eisenvitriol hervorgebracht.
  Der Eisenvitriol enthält viele eisenhältige Theile. So lange diese Theile sich frey befinden, und frey in der Auflösung herumschwimmen, benehmen sie der Durchsichtigkeit nichts, weil sie von einer Dünne und von einer Gestalt sind, die sich so mit einander verbinden können, dasz sie allen Arten von Strahlen den freyen Durchgang verstatten. Die Vitriolauflösung ist auch, wenn sie noch frisch und nicht zu stark ist, sehr helle. Wenn man sie aber mit dem Galläpfelsafte vermischet, so vereinigen sich die eben gedachten eisenhaltigen Theile mit den gummigten Theilen des Gallapfels. Sie machen ein neues Gewebe, das den Strahlen nicht mehr den freyen Durchgang verstattet, und selbige werden in der Vermischung, die folglich schwarz aussehen muß, so zu sagen, verschlungen.
  Man kann diese Wirkung vernichten und die Durchsichtigkeit wieder herstellen, wenn man auf die Vermischung einige Tropfen Salpetergeist gieszt.
  Der Salpetergeist ist das wahre auslösende Mittel aller eisenhaltigen Theile. Sobald man folglich etwas davon auf eine solche Vermischung gieszet, so bemächtigt er sich dieser Art von Theilen, sondert sie von den Theilen des Gallapfels ab, und stellt die erste Einrichtung der Vermischung wieder her.
  Diejenigen, welche eine gröszere Reihe Versuche von dieser Art zu lesen begierig sind, können die Schriftsteller, die über diese Materie geschrieben haben, (a) aus welchen ich einen groszen Theil der eben angeführten Versuche genommen habe, zu Rathe ziehen.

(a)Tentamina Florentina, Part. II. p. 93. Boerhaave, Chemia, V. 2. p. 535. Helfam, Ch. 10. p. 304. Hierne. Acta chemic. Holmius, S. 2. C. 6. p. 186.


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